Ein Verkehrsunfall passiert in Sekunden – und entscheidet trotzdem oft über vierstellige Beträge, die Sie als Geschädigter später bekommen oder verlieren. Wer in den ersten Minuten am Unfallort die richtigen Schritte geht, hat es im weiteren Verlauf deutlich leichter, von der gegnerischen Haftpflichtversicherung das volle Geld zu bekommen.
Dieser Leitfaden ist genau auf Braunschweig und das umliegende 75-km-Einsatzgebiet zugeschnitten. Er zeigt Ihnen Schritt für Schritt, was Sie nach einem Unfall tun sollten – von der Eigensicherung über die Beweissicherung bis zur Wahl eines unabhängigen Kfz-Sachverständigen.
1.Unfallstelle sofort absichern
Der erste Reflex nach einem Unfall ist meist Schreck. Trotzdem zählt jede Sekunde, um Folgeunfälle zu verhindern – gerade auf stark befahrenen Strecken in Braunschweig wie der A2, A39 oder dem Hagenring.
Schalten Sie umgehend die Warnblinkanlage ein und ziehen Sie sich – wenn möglich – mit Ihrem Fahrzeug auf den Seitenstreifen oder eine Parkbucht. Innerorts reicht oft eine Parklücke; auf der Autobahn gehört das Auto schnellstmöglich aus dem fließenden Verkehr.
- Warnblinkanlage einschalten – auch tagsüber, auch bei kleinen Schäden.
- Warnweste anlegen, bevor Sie aussteigen (Pflicht für den Fahrer).
- Warndreieck innerorts 50 m, außerorts 100 m, auf der Autobahn 150–400 m hinter dem Fahrzeug aufstellen.
- Personen aus dem Gefahrenbereich hinter die Leitplanke bringen.
2.Verletzte versorgen und Notruf 112 wählen
Verletzte Personen haben absoluten Vorrang. Auch wenn nur leichte Beschwerden vorliegen, sollten Sie im Zweifel den Rettungsdienst rufen – Schleudertrauma und Schock treten oft mit Verzögerung auf. Der Notruf 112 ist europaweit kostenfrei.
Leisten Sie Erste Hilfe im Rahmen Ihrer Möglichkeiten. In Deutschland sind Sie dazu gesetzlich verpflichtet (§ 323c StGB). Wer nur an der Unfallstelle wartet und nichts tut, riskiert ein Strafverfahren wegen unterlassener Hilfeleistung.
- 112 – Rettungsdienst und Feuerwehr (europaweit, ohne Vorwahl).
- 110 – Polizei.
- Verletzte aus dem Fahrzeug nur bei akuter Gefahr (z. B. Brand) befreien.
- Bewusstlose in stabile Seitenlage bringen.
3.Polizei rufen – ja oder nein?
Bei Personenschäden, Streit über die Schuldfrage, hohen Sachschäden oder Fahrerflucht ist die Polizei zwingend zu rufen. Aber auch bei kleineren Blechschäden ist ein Polizeiprotokoll häufig Gold wert: Es dokumentiert objektiv Zeit, Ort und die beteiligten Fahrzeuge.
Die gegnerische Versicherung versucht später nicht selten, die Schuldfrage anzuzweifeln. Ein Aktenzeichen der Polizei Braunschweig oder der zuständigen Dienststelle in Wolfsburg, Salzgitter oder Wolfenbüttel macht Ihnen die Beweisführung dann erheblich leichter.
4.Beweise sichern – das gehört in Ihr Smartphone
Ihr Handy ist nach einem Unfall das wichtigste Werkzeug. Machen Sie Fotos und kurze Videos aus allen relevanten Perspektiven – am besten, bevor irgendetwas bewegt wird. Diese Bilder können später entscheidend sein, wenn ein Sachverständiger das Schadensbild rekonstruiert.
- Übersichtsaufnahmen der gesamten Unfallstelle (mindestens 4 Seiten).
- Beide Fahrzeuge mit Kennzeichen, Position und Endlage.
- Bremsspuren, Splitterfelder, Trümmerteile.
- Verkehrszeichen, Ampelphasen, Vorfahrtsregelung.
- Nahaufnahmen der Schadenstellen an beiden Fahrzeugen.
- Wetter, Sichtverhältnisse, Straßenzustand.
5.Daten austauschen – aber nichts unterschreiben
Sie sind verpflichtet, dem Unfallgegner Name, Anschrift, Versicherung und Fahrzeugdaten zu geben (§ 142 StGB). Lassen Sie sich umgekehrt unbedingt den Führerschein und die Versicherungskarte zeigen – und fotografieren Sie beides.
Unterschreiben Sie am Unfallort niemals Schuldanerkenntnisse oder vorformulierte Erklärungen. Diese können später Ihre Ansprüche komplett verbauen, selbst wenn Sie objektiv keine Schuld trifft.
6.Eigenen Kfz-Sachverständigen einschalten
Das ist der wichtigste – und am häufigsten falsch gemachte – Schritt. Als Geschädigter eines unverschuldeten Unfalls haben Sie das Recht auf einen eigenen, unabhängigen Sachverständigen. Die Kosten trägt die gegnerische Haftpflichtversicherung (BGH, VI ZR 67/06).
Der Gutachter der gegnerischen Versicherung («Versicherungs-Gutachter») arbeitet im Auftrag des Versicherers – nicht in Ihrem Interesse. Wer den ersten Anruf der gegnerischen Versicherung einfach annimmt, verschenkt regelmäßig vierstellige Beträge bei Wertminderung, Verbringungskosten oder UPE-Aufschlägen.
- Anruf beim eigenen Sachverständigen – in Braunschweig oft binnen 24 Stunden vor Ort.
- Vollständige Schadensaufnahme inkl. Lichtbilddokumentation.
- Berechnung von Reparaturkosten, Wertminderung, Wiederbeschaffungswert und Restwert.
- Direkte Abrechnung mit der gegnerischen Versicherung möglich.
7.Fachanwalt für Verkehrsrecht einschalten
Bei einem unverschuldeten Unfall zahlt die gegnerische Haftpflichtversicherung auch die Kosten Ihres Anwalts. Ein Fachanwalt für Verkehrsrecht prüft, ob alle Schadenspositionen korrekt reguliert werden – von Nutzungsausfall über Wertminderung bis zum Schmerzensgeld.
Gerade in Großstädten wie Braunschweig oder Hannover sind Anwalt und Sachverständiger ein eingespieltes Team. Ich arbeite mit mehreren Fachanwälten zusammen und kann Ihnen auf Wunsch eine Empfehlung geben.
Häufige Fragen
Wer zahlt den Gutachter nach einem unverschuldeten Unfall?
Die gegnerische Haftpflichtversicherung trägt die vollen Gutachterkosten – als Teil des Schadensersatzes. Voraussetzung ist, dass der Schaden über der Bagatellgrenze von rund 750 € liegt.
Muss ich die Polizei rufen, auch wenn nichts passiert ist?
Nein, bei reinen Blechschäden ohne Streit über die Schuldfrage reicht ein europäischer Unfallbericht. Sobald aber Verletzte, Fahrerflucht oder unklare Verhältnisse im Spiel sind, ist die Polizei Pflicht.
Wie schnell sollte der Gutachter vor Ort sein?
Optimal ist binnen 24–48 Stunden. So lassen sich Schadensbild und Spuren am genauesten dokumentieren – bevor das Fahrzeug repariert oder bewegt wird.
Was, wenn der Unfallgegner Fahrerflucht begeht?
Sofort 110 wählen, Kennzeichen, Fahrzeugtyp und Fluchtrichtung notieren. Bei Fahrerflucht reguliert ggf. die Verkehrsopferhilfe – ein Gutachten ist trotzdem zwingend nötig.
Passende Standorte in Ihrer Nähe
Wenn der Unfall in einer dieser Städte passiert ist – schauen Sie sich die jeweilige Standortseite mit lokalen Besonderheiten an.




